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Schloss Schleißheim
Mozart: Symphonie A-Dur KV 201
Mendelssohn: „Sommernachtstraum“ - Suite
Bruch: Violinkonzert G-Moll
Bellini: Oboenkonzert
Mon-Fu Lee - Violine & Residenz-Solisten
Wolfgang Amadeus Mozart: Sinfonie A-Dur KV 201
Mit der A-Dur-Sinfonie tritt Wolfgang Amadeus Mozart im Jahr 1774 hörbar aus dem Schatten des bloß Dekorativen. Kein triumphaler Akkord eröffnet das Werk, sondern ein leiser Oktavsprung in den Streichern – ein tastender Beginn, der sich wellenartig steigert und bald den ganzen Klangraum erhellt. Diese Musik spricht nicht laut, um sich zu behaupten; sie überzeugt durch innere Spannung. Zwischen kammermusikalischer Transparenz und sinfonischem Elan entsteht eine Balance, die erstaunlich reif wirkt für einen Achtzehnjährigen. Die Heiterkeit, die über dem Werk liegt, ist von fast mediterraner Helligkeit, doch sie bleibt nie oberflächlich. In der dichten motivischen Arbeit, im selbstverständlichen Umgang mit Form und Proportion kündigt sich bereits jener Meister an, der die Wiener Klassik prägen wird.
Felix Mendelssohn Bartholdy: „Sommernachtstraum“-Suite
Ein Flirren liegt in der Luft. Mendelssohns „Sommernachtstraum“ führt mitten hinein in eine Welt aus Elfen und nächtlicher Verzauberung.
Die Musik atmet Leichtigkeit, doch sie verliert nie ihre Form. Federnde Rhythmen halten das Geschehen in Bewegung, als tanzten unsichtbare Wesen durch den Klangraum, Esel schreien zwischendurch im Märchenwald. Und immer bleibt da ein Hauch romantischer Ironie – als wisse diese Musik, dass jeder Traum zerbrechlich ist. Man lauscht und spürt: Das ist keine naive Märchenwelt. Es ist ein Traum, der sich seiner selbst bewusst ist, der im Morgengrauen bereits ahnt, dass er sich auflösen wird – und gerade darin seine Poesie findet.
Max Bruch: Violinkonzert G-Moll
Es beginnt nicht mit demonstrativer Virtuosität, sondern mit einem Fragen. Das Orchester öffnet einen dunklen Raum, und die Violine tritt ein wie eine singende Stimme. Der erste Satz wirkt wie ein Vorspiel, tastend, dramatisch gespannt – und ohne Zäsur fließt alles weiter ins Adagio. Hier scheint die Zeit stillzustehen. Die Violine singt, weit ausschwingend, innig, beinahe schmerzhaft schön. Es ist eine jener Melodien, die nicht beeindrucken wollen und gerade deshalb überwältigen. Doch das Finale duldet kein Verweilen. Rhythmische Energie bricht auf, ein feuriger Tanz entfacht sich, voller technischer Raffinesse und mitreißender Bewegung. Die Spätromantik zeigt ihr leidenschaftlichstes Gesicht – glühend, kraftvoll, ungebremst.
Auch Vincenzo Bellini denkt im Oboenkonzert vom Gesang her. Obwohl er die Opernbühne beherrscht, gestaltet er dieses Jugendwerk wie eine Szene ohne Worte. Die Oboe tritt auf wie eine Primadonna, entfaltet in langen Kantilenen eine lyrische Arie, die ganz dem Geist des Belcanto verpflichtet ist. Die Streicher begleiten mit eleganter Zurückhaltung, gibt Raum zum Atmen. Im Finale jedoch gewinnt die Musik an tänzerischer Leichtigkeit; die Solostimme zeigt ihre Wendigkeit, ohne je ihre kantable Linie zu verlieren. So bleibt das Konzert ein charmantes, melodienreiches Bekenntnis zur italienischen Schule – und ein klingender Beweis dafür, dass selbst im Instrumentalen der Gesang nie verstummt.
Schloss Schleißheim
Vivaldi: „Die vier Jahreszeiten“ - gesamt
Boccherini: „Fandango“ & „Madrid“ für Gitarre & Streicher
Albeniz: „Asturias“ und weitere berühmte spanische Kompositionen für Gitarre
Vladislav Indyk - Gitarre, Marcelino Rojas - Violine & Residenz-Solisten
Beginnen wir im barocken Venedig, wo der „rote Priester“ Antonio Vivaldi mit seinen „Vier Jahreszeiten“ Musikgeschichte schrieb. Er war ein Meister darin, die Natur ohne ein einziges Wort sprechen zu lassen. Er war ein Virtuose, der die Grenzen der Violine ausreizte. Die „Vier Jahreszeiten“ sind mehr als nur eine Melodie; es ist ein immersives Erlebnis, das die Erneuerung der Natur direkt in den Konzertsaal bringt.
Isaac Albéniz:„Asturias“Obwohl der Titel „Asturias“ den grünen Norden Spaniens suggeriert, atmet dieses Stück jede Faser des andalusischen Südens. Ursprünglich 1892 für Klavier komponiert, wurde es durch die Transkription für Gitarre – ein Instrument, für das Albéniz oft „auf den Leib“ schrieb – zu einer Ikone der spanischen Musik. Albéniz nannte es ursprünglich schlicht „Leyenda“ (Legende) – ein passender Name für ein Werk, das heute zu den weltweit bekanntesten Melodien der klassischen Musik zählt.
Luigi Boccherinis heimliches Meisterwerk: „La Musica Notturna delle Strade di Madrid“ Stellen Sie sich vor, Sie sitzen an einem offenen Fenster in einer lauen Sommernacht des Jahres 1780. Draußen, in den verwinkelten Gassen Madrids, erwacht ein ganz eigenes Leben. Luigi Boccherini, der italienische Virtuose im spanischen Exil, fängt diese flüchtigen Momente in seinem Streichquintett Op. 30 Nr. 6 ein – ein Werk so exklusiv, dass er glaubte, niemand außerhalb Spaniens könne seinen Zauber wirklich verstehen. Dieses Stück ist mehr als Kammermusik; es ist ein akustisches Gemälde, das die Grenze zwischen Konzertsaal und Straße auflöst. Tauchen Sie ein in eine Welt aus Schatten, Licht und dem unbändigen Rhythmus des alten Spaniens.
Sein berühmter „Fandango“ ist dabei eine regelrechte Provokation des Hofetiketts: Er brachte den leidenschaftlichen, fast schon verführerischen Volkstanz der Straße in die Kammermusik und krönte ihn oft mit dem klappernden Rhythmus echter Kastagnetten.
Schloss Schleißheim
Vivaldi: Konzert für Piccoloflöte „Distelfink“
Vivaldi: Flötenkonzert „La tempesta di mare“
Vivaldi: Konzert für Piccoloflöte C-Dur
Vivaldi: „Der Frühling“ & „Der Sommer” aus „Die Vier Jahreszeiten“
Mozart: “Eine kleine Nachtmusik” - Ausschnitte
Mozart: Ouvertüre aus “Die Zauberflöte”
Mendelssohn: „Sommernachtstraum“-Suite
Gershwin: „Summertime“
Janine Schöllhorn -Flöte, Marcelino Rojas - Violine & Residenz-Solisten
In den stillen Sälen des Ospedale della Pietà für Waisenmädchen in Venedig entsteht eine Musik, die hinauswill in die Welt. Antonio Vivaldi schreibt seine Flöten- und Piccolokonzerte für die hochbegabten Mädchen des Instituts – junge Musikerinnen, deren Virtuosität ihm als Experimentierfeld dient. Im Piccolokonzert „Il Cardellino“ hebt das kleine Instrument an wie ein lebendiges Wesen: Es zwitschert, flattert, schwingt sich in Triller und Girlanden, als säße ein Distelfink mitten im Orchester. Vivaldi denkt Natur nicht als Dekoration, sondern als Klangereignis.
Im Flötenkonzert „La tempesta di mare“ gerät die Natur aus dem Idyllischen ins Elementare. Läufe schnellen durch die Register, Klangkaskaden türmen sich wie Wellenkämme, die Streicher beben unter der imaginären Windlast. Hier malt niemand ein Seestück – hier tobt es wirklich. Und im Piccolokonzert wird das kleine Instrument selbst zur Sensation: extreme Höhen, atemberaubende Geschwindigkeit, ein Spiel an der Grenze des Möglichen. Virtuosität ist hier kein Selbstzweck, sondern Ausdruck überschäumender Energie.
Mit den „Vier Jahreszeiten“ weitet sich der Blick ins Zyklische. Im „Frühling“ („La Primavera“) klingt das Erwachen der Natur: Vogelgesang durchzieht die Violinen, Quellen murmeln in sanften Figuren. Vivaldi veröffentlicht erklärende Sonette zu seinen Konzerten und verankert die Musik fest im Bildhaften – im zweiten Satz bewacht eine Bratsche mit gleichbleibendem Rhythmus den schlafenden Hirten, als belle ein Hund in der Ferne. Der „Sommer“ („L’Estate“) dagegen lastet schwer. Hitze flimmert in zähen Harmonien, Müdigkeit breitet sich aus, bis das Finale in ein Gewitter mündet: Blitze zucken, Donner rollt, die Natur entlädt sich mit dramatischer Wucht.
Ein anderes Tor öffnet sich mit der Ouvertüre zu „Die Zauberflöte“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Drei feierliche Akkorde stehen wie Säulen im Raum – ernst, symbolisch, von freimaurerischer Gravität. Doch sogleich gerät alles in Bewegung: Ein quirliges Fugato entfaltet sich, geistreich, lebendig, voller theatralischer Spannung. Mozart schreibt diese Ouvertüre unter enormem Zeitdruck; man erzählt, die Notenblätter seien bei der Uraufführung 1791 noch feucht von der Tinte gewesen. Vielleicht ist es genau dieses Risiko des Augenblicks, das man in jeder Wendung spürt.
Der Abschluss bildet „Summertime“– jene schwebende Melodie aus „Porgy and Bess“ von George Gershwin. Sie klingt nach Tradition, nach Spiritual, nach überliefertem Liedgut. Doch sie ist vollständig neu geschaffen. Gershwin komponiert Authentizität, er erfindet eine musikalische Erinnerung. Vielleicht liegt darin das Geheimnis dieses Liedes: Es wirkt, als sei es schon immer da gewesen, als müsse man es nur wiedererkennen.
So entfaltet sich ein Konzertabend, der Natur und Theater, barocke Klanglust, klassisches Symbol und romantische Traumwelt miteinander verknüpft
Schloss Schleißheim
Vivaldi: „Die vier Jahreszeiten“
Mozart: Serenade „Eine kleine Nachtmusik“
Rossini: Streicherserenade C-Dur & „Arie des Figaro“
Brahms: Ungarischer Tanz Nr.6
Simon Zhu - Violine * & Residenz-Solisten
*1.Preis beim Premio Paganini Genua 2023
Ein sommerliches Festkonzert auf Schloss Schleißheim: Die Abendluft steht mild über den barocken Fassaden, der Himmel spannt sich weit über das Gartenparterre, und noch bevor der erste Ton erklingt, scheint die Szenerie selbst bereits Musik zu atmen. In dieser heiteren Kulisse beginnen Antonio Vivaldis „Le quattro stagioni“
Als Vivaldi die Konzerte 1725 veröffentlicht, entwirft er mehr als gefällige Barockmusik. Er schafft ein klingendes Theater der Natur. Im „Frühling“ zwitschern die Violinen wie aufgeregte Vögel, Quellen murmeln in geschwungenen Linien, alles scheint zu blühen. Doch die Idylle ist nicht ungetrübt: Ein kurzes Gewitter fährt dazwischen, Tremoli zucken wie Blitze durch das Orchester. Im zweiten Satz ruht der Hirte, von der Solovioline träumerisch gezeichnet, während die Bratsche mit trockenen, wiederholten Tönen den „bellenden Hund“ gibt – ein liebevoll notierter Einfall, der das Bild mit augenzwinkernder Genauigkeit schärft.
Der „Sommer“ legt sich schwer auf die Schultern. In den beigelegten Sonetten erklärt Vivaldi, was geschieht: Der Kuckuck ruft, die Turteltaube antwortet, ein Windhauch regt sich. Doch unter der Oberfläche wächst die Spannung. Schließlich bricht das Gewitter los, entfesselt und dramatisch, als entlade sich der Himmel selbst über dem Schlosspark.
Im „Herbst“ wird die Ernte gefeiert. Tanzrhythmen stampfen, der Wein fließt in Strömen, die Geigen lachen. Ausgelassenheit und der gute Wein bringt die Bauern in den Schlaf. Man hört bei der Treibjagd die Schüssen der Jäger während das flüchtende Wild musikalisch durch schnelle Läufe der Solovioline charakterisiert wird.
Der „Winter“ schließlich schneidet scharf durch die sommerliche Abendwärme dieses Konzerts. Die Streicher lassen die Zähne klappern, schnelle Repetitionen frieren die Luft ein. Schritte knirschen im Eis, Schlittschuhläufer gleiten – und stürzen. Doch auch hier liegt Schönheit im Frost, eine klare, funkelnde Transparenz.
Ein Szenenwechsel: Wolfgang Amadeus Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ hebt an wie geschaffen für eine solche Freiluftnacht. Vielleicht einst als Auftragswerk für eine sommerliche Gesellschaft gedacht, klingt sie heute wie der Inbegriff klassischer Heiterkeit. Die Themen sind lichtdurchflutet, die Eleganz scheint mühelos. Dass ein Satz der Serenade verloren ist, macht sie zu einem Fragment – doch zu einem, das vollendet wirkt.
Mit Gioachino Rossini zieht italienisches Temperament ein. Seine Streichersonate sprüht vor Energie, und die er schrieb, als in der „Arie des Figaro“ aus dem „Barbier von Sevilla“ wirbelt die Musik in atemlosem Tempo dahin. Witz, Virtuosität und überschäumende Lebensfreude verbinden sich zu einem musikalischen Feuerwerk, das selbst die Schlossmauern zum Schwingen bringt.
So entfaltet sich an diesem Sommerabend auf Schloss Schleißheim ein Panorama der Jahreszeiten und Stimmungen, der Naturbilder und Theatergesten.
Schloss Schleißheim
Vivaldi: „Die vier Jahreszeiten“
Mozart: Serenade „Eine kleine Nachtmusik“
Rossini: Streicherserenade C-Dur & „Arie des Figaro“
Brahms: Ungarischer Tanz Nr.6
Simon Zhu - Violine * & Residenz-Solisten
*1.Preis beim Premio Paganini Genua 2023. Er spielte daraufhin vor König Charles III. auf der berühmten “Kanone” von Guarneri del Gesu.
Ein sommerliches Festkonzert auf Schloss Schleißheim: Die Abendluft steht mild über den barocken Fassaden, der Himmel spannt sich weit über das Gartenparterre, und noch bevor der erste Ton erklingt, scheint die Szenerie selbst bereits Musik zu atmen. In dieser heiteren Kulisse beginnen Antonio Vivaldis „Le quattro stagioni“
Als Vivaldi die Konzerte 1725 veröffentlicht, entwirft er mehr als gefällige Barockmusik. Er schafft ein klingendes Theater der Natur. Im „Frühling“ zwitschern die Violinen wie aufgeregte Vögel, Quellen murmeln in geschwungenen Linien, alles scheint zu blühen. Doch die Idylle ist nicht ungetrübt: Ein kurzes Gewitter fährt dazwischen, Tremoli zucken wie Blitze durch das Orchester. Im zweiten Satz ruht der Hirte, von der Solovioline träumerisch gezeichnet, während die Bratsche mit trockenen, wiederholten Tönen den „bellenden Hund“ gibt – ein liebevoll notierter Einfall, der das Bild mit augenzwinkernder Genauigkeit schärft.
Der „Sommer“ legt sich schwer auf die Schultern. In den beigelegten Sonetten erklärt Vivaldi, was geschieht: Der Kuckuck ruft, die Turteltaube antwortet, ein Windhauch regt sich. Doch unter der Oberfläche wächst die Spannung. Schließlich bricht das Gewitter los, entfesselt und dramatisch, als entlade sich der Himmel selbst über dem Schlosspark.
Im „Herbst“ wird die Ernte gefeiert. Tanzrhythmen stampfen, der Wein fließt in Strömen, die Geigen lachen. Ausgelassenheit und der gute Wein bringt die Bauern in den Schlaf. Man hört bei der Treibjagd die Schüssen der Jäger während das flüchtende Wild musikalisch durch schnelle Läufe der Solovioline charakterisiert wird.
Der „Winter“ schließlich schneidet scharf durch die sommerliche Abendwärme dieses Konzerts. Die Streicher lassen die Zähne klappern, schnelle Repetitionen frieren die Luft ein. Schritte knirschen im Eis, Schlittschuhläufer gleiten – und stürzen. Doch auch hier liegt Schönheit im Frost, eine klare, funkelnde Transparenz.
Ein Szenenwechsel: Wolfgang Amadeus Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“ hebt an wie geschaffen für eine solche Freiluftnacht. Vielleicht einst als Auftragswerk für eine sommerliche Gesellschaft gedacht, klingt sie heute wie der Inbegriff klassischer Heiterkeit. Die Themen sind lichtdurchflutet, die Eleganz scheint mühelos. Dass ein Satz der Serenade verloren ist, macht sie zu einem Fragment – doch zu einem, das vollendet wirkt.
Mit Gioachino Rossini zieht italienisches Temperament ein. Seine Streichersonate sprüht vor Energie, und die er schrieb, als in der „Arie des Figaro“ aus dem „Barbier von Sevilla“ wirbelt die Musik in atemlosem Tempo dahin. Witz, Virtuosität und überschäumende Lebensfreude verbinden sich zu einem musikalischen Feuerwerk, das selbst die Schlossmauern zum Schwingen bringt.
So entfaltet sich an diesem Sommerabend auf Schloss Schleißheim ein Panorama der Jahreszeiten und Stimmungen, der Naturbilder und Theatergesten.
Schloss Schleißheim
Verdi: Ouvertüre aus „Nabucco“
Haydn: Symphonie Nr. 73 D-Dur „La chasse“
Mozart: Symphonie A-Dur KV201
Dvorak: Suite - „Aus der Neuen Welt“
Brahms: Ungarischer Tanz Nr.6
J.Strauß: „Die Jagd“ – Schnellpolka
Residenz-Solisten
Im großen Festsaal von Schloss Schleißheim entfaltet sich ein herbstliches Konzertprogramm, - farbenreich, kontrastreich und voller Stimmungswechsel.
Den Auftakt bildet die Ouvertüre zu Nabucco von Giuseppe Verdi. Dramatische Klangblöcke und lyrische Passagen stehen einander gegenüber; bereits hier taucht das sehnsuchtsvolle Motiv des später weltberühmten Gefangenenchors auf. Der Legende nach war es genau diese Textstelle im Libretto, die Verdi – nach einer Phase persönlicher Schicksalsschläge – wieder zum Komponieren inspirierte.
Mit der Symphonie Nr. 73 „La chasse“ von Joseph Haydn zieht ein klassisches Herbstbild in den Saal ein. Das Werk verdankt seinen Beinamen dem vierten Satz („La Chasse“), der mit seinen Hornsignalen und dem galoppierenden Rhythmus eine klassische Jagdszene heraufbeschwört. Haydn war bekannt für seinen Humor. In dieser Symphonie spielt er mit dem „falschen“ Ende: Der Schlusssatz verklingt – im Gegensatz zu vielen anderen Jagdstücken der Zeit – ganz leise und sanft, als würde die Jagdgesellschaft einfach in der Ferne verschwinden.
Jugendliche Eleganz prägt die A-Dur-Symphonie KV 201 von Wolfgang Amadeus Mozart. Trotz ihrer schlanken Besetzung wirkt Mozarts Symphonie Nr. 29 erstaunlich reich an Farben und Ausdruck – ein Werk voller Leichtigkeit, das der erst achtzehnjährige Komponist in Salzburg schrieb.
Weite Klanglandschaften öffnet die Suite „Aus der Neuen Welt“ von Antonín Dvořák. Eindrücke aus Amerika – der Straßenlärm von New York, Rhythmen, die an Spirituals erinnern, und weitgespannte indianische Melodien und slawische Tänze – verbinden sich hier mit Dvořáks Sehnsucht nach seiner böhmischen Heimat.
Den heiteren Abschluss bildet die Schnellpolka „Die Jagd“ von Johann Strauß. Bei der Uraufführung im Wiener Volksgarten war das Publikum so begeistert von den lautstarken Peitschenknallen und „Hali-Hallo“-Rufen im Orchester, dass das Stück sofort wiederholt werden musste. Strauß nutzte solche Effekte gezielt, um die ausgelassene Stimmung der Wiener Ballsaison anzufeuern.
Schloss Schleißheim
Verdi: Ouvertüre aus „Nabucco“
Vivaldi: Flötenkonzert
Mozart: Konzert für Flöte D-Dur
Beethoven: Symphonie Nr. 3 „Eroica“
Michael Kofler – Soloflöte MPhil & Residenz Solisten
Konzertprogramm – Vom Barock zur Romantik ?
Ouvertüre aus Nabucco – Giuseppe Verdi
Verdis Ouvertüre zu Nabucco sprüht vor Dramatik und Intensität und zieht das Publikum sofort in die Welt der biblischen Geschichte. Nabucco war die Oper, die Verdi 1842 erstmals zu großem Ruhm verhalf, und bereits die Ouvertüre kündigt die emotionale Bandbreite des gesamten Werkes an. Anekdotisch wird berichtet, dass das Publikum bei den ersten Aufführungen derart von der majestätischen Kraft der Ouvertüre bewegt war, dass viele still standen, bevor der erste Akt überhaupt begann. Die heroischen Gesten und kraftvollen Themen bereiten den perfekten Einstieg für ein Programm, das von barocker Eleganz zur romantischen Dramatik führt.
Flötenkonzert – Antonio Vivaldi
Vivaldis Flötenkonzert zeigt die Brillanz des Barockflötenspiels, eines Instruments, das als zugleich zart und ausdrucksstark galt. Seine Konzerte enthalten oft virtuose Passagen, die die Grenzen der Spielertechnik herausfordern. Legenden zufolge schrieb Vivaldi, der wegen seiner roten Haare „der rote Priester“ genannt wurde, manchmal kurzfristig Passagen speziell, um seine Schülerinnen am Ospedale della Pietà zu prüfen. Das Wechselspiel zwischen Solist und Orchester in diesem Konzert vermittelt die lebendige Energie der venezianischen Barockmusik, mit lyrischen Melodien und funkelnden, rhythmisch lebhaften Abschnitten.
Konzert für Flöte D-Dur – Wolfgang Amadeus Mozart
Mozarts Flötenkonzert in D-Dur ist ein Musterbeispiel für die Eleganz und Klarheit der Wiener Klassik. Es wurde 1778 für den niederländischen Flötisten Ferdinand De Jean komponiert und besticht durch seine geschmeidigen Melodien und den feinen Dialog zwischen Solist und Orchester. Interessanterweise soll Mozart beim Komponieren unterwegs unter großem Zeitdruck gestanden haben und in Briefen an seinen Vater von den „unersättlichen Forderungen“ des Flötisten berichtet haben. Trotz dieser Schwierigkeiten strahlt das Konzert Leichtigkeit, Charme und virtuose Brillanz aus und fasziniert bis heute durch seine lyrischen, fast gesanglichen Themen.
Symphonie Nr. 3 – Eroica – Ludwig van Beethoven
Beethovens Eroica gilt als revolutionäres Werk, das die Sinfonik neu definierte. Ursprünglich Napoleon Bonaparte gewidmet, soll Beethoven die Widmung zerrissen haben, als Napoleon sich zum Kaiser krönte. Die Sinfonie eröffnet mit heroischen Motiven, spannungsvollen Harmonien und kühnen rhythmischen Figuren. Der zweite Satz, das Trauermarsch-Thema, kontrastiert Tragik mit Triumph, während der Finalsatz vor Freude, Witz und Lebenslust sprüht. Die Eroica verkörpert Beethovens Vorstellung von Musik als Ausdruck menschlicher Größe und emotionaler Tiefe und ist ein zentraler Meilenstein des romantischen Sinfonie-Repertoires.
Dieses Programm nimmt das Publikum mit auf eine musikalische Reise durch die Jahrhunderte: von Vivaldis barocker Virtuosität und Mozarts klassischer Eleganz über Verdis operatische Dramatik bis hin zu Beethovens wegweisender romantischer Vision – ein Abend voller Geschichte, Emotion und musikalischem Abenteuer.
